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Rezension „Mika und, der Wächter des Lichts“ von Lucy Haien

Zum Inhalt „Mika und, der Wächter des Lichts“

„Mika und der Wächter des Lichts“ von Lucy Haien, ist eine spannende Geistergeschichte ab 8 Jahren.

Tom und Mika sind seit dem Kindergarten Freunde. Richtig gute Freunde. Tom zieht eine Woche zu Mika, um ihm zu helfen, den übel riechenden Schatten zu finden. Warum stinkt der nur so scheußlich?

Der übel riechende Schatten muss schließlich gefunden werden. Das ist eine wichtige Aufgabe für Mika und Tom!

Aber es kommt noch viel besser. Die Freunde lernen Greg kennen. Greg ist ein Geist. Ein gruseliger Geist. Aber schnell stellt sich heraus, dass Greg in Wirklichkeit ein liebenswerter Zeitgenosse ist. Na ja! Besser ein liebenswerter Geist. Oder ist er ein Gespenst? Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Geist und einem Gespenst? Wenn ihr Greg seht, fragt ihn doch mal!

Ja! Greg ist also ein ganz netter Geist, der auch gerne für den einen oder anderen Unsinn zu haben ist. Aber er will auf keinem Fall jemandem schaden!

Greg erzählt den Freunden von seiner großen Liebe Becci.

Und schon sind die drei in einem Riesenabenteuer. Worum es geht?

Es geht um Freundschaft und Zusammenhalt. Es geht auch um Theater spielende Geister. Ihr glaubt nicht, dass Geister Theater spielen. Oh, doch! Diese schon.

Kann Greg mit Hilfe von Mika und Tom seine große Liebe für sich gewinnen?

Und, wie der Titel schon sagt, lernen wir den Wächter des Lichts kennen. Welche Aufgabe hat der Wächter des Lichts?

Es ist eine spannend gruselige Geschichte. Aber der Grusel kann von Kindern ab 8/9 Jahren locker weggesteckt werden, weil Greg eine liebenswerte Figur ist. Und dass er unglücklich verliebt ist, macht ihn nur noch sympathischer.

Außerdem ist auch eine kleine Kriminalgeschichte eingebaut, die unsere drei Freunde prima lösen.

5/5 Punkten

Sprachliche Gestaltung „Mika und, der Wächter des Lichts“

Die Sprache ist altersgerecht. Die Kapitel haben eine gute Länge, um abends vor dem Zubettgehen noch ein wenig zu lesen. Lucy Haien hat das richtige Verhältnis von Grusel und Spannung gefunden, ohne die jungen Leser schlaflos zurückzulassen.

5/5 Punkten

Cover und äußere Erscheinung

Das Häschen als L von Lucy Haien und auch die Titelschrift mit den Farben finde ich sehr schön. Die Zeichnung des Geistes? spricht mich nicht so an. Deswegen ziehe ich hier einen Punkt ab.

Die Autorin Lucy Haien bei Lovelybooks.

4/5 Punkten

Fazit „Mika und, der Wächter des Lichts“

In „Mika und, der Wächter des Lichts“ steckt eine Gruselgeschichte, eine Fantasy, ein Krimi und eine Liebesgeschichte. Die Hauptpersonen sind so richtig „coole Jungs“. Genauso Freunde wünscht man sich in diesem Alter. Die Botschaft „Zusammen klappt alles viel besser“ und, dass man miteinander reden sollte. Dein Freund kann nur deine Wünsche erfüllen, wenn er deine Wünsche kennt.

Es gefällt mir gut, dass Gefühle und das Zugeben von Gefühlen besprochen wird. Gefühle zuzulassen und auch zuzugeben ist in keinem Alter einfach. In jedem von uns steckt die Angst zurückgewiesen zu werden. In dem einen Menschen mehr – in dem anderen weniger. Aber vorhanden ist sie fast immer.

Was wären wir ohne unsere Freunde? Ich glaube für Achtjährige oder allgemein für Heranwachsende ist der „BESTE FREUND“ der stabilste Anker. Auch hier: Ohne Tom hätte Mika nie den Mut, sich auf Geister und Verbrecherjagd einzulassen. Super! Währenddessen Mika seinen Freund Tom davon abhält allzu waghalsig zu sein.

Greg ist so ein putziger Geist. Von Liebeskummer geplagt weckt er Empathie. Man muss ihn einfach liebhaben. Das Buch hat meiner „kleinen Connie“ sehr gut gefallen. Das kommt auf meine Favoritenliste für Kinderbücher.

Ich vergebe insgesamt 4,7/5 Punkten.

@Lucy Haien: Vielen Dank für das gruselig/spannende Rezensionsexemplar!


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Kinderbücher

„House of Ghosts – Der aus der Kälte kam“

„Bärige Cartoons“

„Die kleinen Geister sind los“ von Sandra Engler 


„Geteilter Schmerz“ von Hedy Loewe

 „Dignity Rising Band 3″

2. Zum Inhalt „Geteilter Schmerz“

S P O I L E R A L A R M

Die Rezension „Geteilter Schmerz“ bitte erst nach Lektüre der ersten zwei Bände weiterlesen.

Zu den Rezensionen von „Gefesselte Seelen“ und „Schwarze Prophezeiung“.

Wir befinden uns im 24. Jahrhundert des intergalaktischen Weltenbaus von Hedy Loewe. Der oberste Rat wird von Telepathen mit außerordentlichen Fähigkeiten angeführt. Die Räte haben keine gemeinsamen Ziele, sondern kochen jeder ein eigenes Süppchen. Die Bevölkerung ist nicht zufrieden. Die Rebellion schwelt. Nachdem Shay und Jon die Kinder in Sicherheit wissen, widmen sie sich mit ganzer Kraft der Rebellion und führen diese an.

Im dritten Band geschieht sehr viel. Fragen aus den ersten beiden Bänden werden hier beantwortet.

Was ist aus Trystan, dem Boten ersten Grades und seiner Botenkriegerin Devenja geworden? Sucht der Rat nach ihnen? Werden noch weitere Boten kommen?

Und wie immer bei Dignity Rising haben wir einen Bösewicht. Die Crew hat einen Verräter in den eigenen Reihen. Wer ist der Verräter? Welche Ziele hat er?

Jon und Shay müssen nun getrennt füreinander kämpfen. Shay hat diesmal einen anderen Beschützer und Krieger an ihrer Seite. Werden die beiden Jon helfen können?

Hanout glaubt, durch eine Fehlentscheidung, das Leben ihrer Crew auf dem Gewissen zu haben. Das lähmt sie vollständig.

Und immer wieder stellt sich die Frage: Sind die Kinder tatsächlich in Sicherheit, oder sind ihnen die Boten des Rates schon auf den Fersen?

Der Leser kennt zwar die Geschichte Shays, aber über Jon Matthews wissen wir wenig. Wer ist Jon Matthews? Wo ist Jon Matthews jetzt? Ist er in Gefahr? Der Leser wird staunen, zumindest habe ich das getan. Unvorhergesehene Wendungen erhöhen die Spannung. 

Der dritte Band ist für mich der stärkste Teil. Die Paare müssen voreinander getrennt, ihre Stärke zeigen. Hanout muss mit Schuldgefühlen kämpfen. Jon Matthews kennt nun seine Vergangenheit, weiß aber noch nicht, was das für seine Zukunft bedeutet.

Shays blaues Licht demonstriert, zusammen mit Jons Schwert, Macht und Stärke, damit unterstützen sie die Rebellion .

Aus persönlichen Problemen sind es jetzt die Probleme der Menschheit auf dem Planeten geworden. Die Helden stellen sich ihren Aufgaben.

Und dann lässt uns Hedy Loewe mit einem Cliffhanger zurück. Absolut spannend!

Da bleibt mir nur noch zu sagen: Auf zum nächsten Band!

5/5 Punkten

3. Protagonisten „Geteilter Schmerz“

„In geteilter Schmerz“ ist eindeutig Devenja meine Lieblingsheldin. Ich mag Charaktere, die sich entwickeln. Hedy Loewe schildert diese Entwicklung anschaulich in kleinen Episoden. 

Devenja findet unter den Stämmen des alten Volkes einen Partner auf Augenhöhe. Die Autorin verwöhnt den Leser mit einer starken Liebesgeschichte, sehr geschmackvoll und heißen erotischen Szenen und Herzschmerz. Wird Devenja sich in ihr neues Leben finden? Wird sie sich vom Rat vollständig lösen können. Kann man ihr vertrauen?

Die Charaktere der Autorin sind gut gezeichnet, haben Vergangenheit und Pläne für die Zukunft. Sie meistern ihre Aufgaben und sind authentisch.

5/5 Punkten.

4. Sprachliche Gestaltung

Die Kapitel haben eine angenehme Länge und die Autorin wechselt öfter die Erzählperspektive. Dadurch kommt der Leser den Charakteren ziemlich nah.

Eigentlich liest sich das Buch ganz von alleine.

5/5 Punkten

5. Cover und äußere Erscheinung

5/5 Punkten

6. Fazit „Geteilter Schmerz“

Wie ich schon erwähnt habe, gefällt mir der dritte Band bisher am besten. Die Rädchen der Geschichte greifen ineinander und man merkt, dass der Plot rund ist. Es ist ähnlich, wie bei einem Puzzle. Du fängst mit den Ecken an und arbeitest dich dann anhand von Farben und Design immer weiter voran, bis du das erwartete Bild erkennen kannst.

Genauso empfinde ich das Lesen einer Reihe. Wenn die Reihe gut aufgebaut ist, wird das Erscheinungsbild mit jeder Seite genauer. Die Figuren werden lebendig. Der Leser weiß nicht nur, wie die Helden aussehen, sondern auch, wie sie denken, was sie planen, vielleicht sogar, wie sie fühlen.

Das ist Hedy Loewe zumindest bei mir gelungen. Ich bin schon sehr auf das Ende gespannt. Ich finde, das Ende ist bei einer Reihe das Wichtigste. Hier sieht man letztendlich, ob es sich zu einem erfolgreichen Ganzen entwickelt hat. Bis jetzt sieht das richtig gut aus! Also lasst uns schnell weiterlesen.

Ich vergebe insgesamt 5/5 Punkten.

@Hedy Loewe und Carlsen Verlag: Vielen Dank für das schöne Rezensionsexemplar!


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Hedy Loewe bei Carlsen

Gefesselte Seelen

Schwarze Prophezeiung“

„Planspiel Beta-Atlantis“

Interview mit Hedy Loewe


„Ein Kampf“ von Patrick Süskind

Zum Inhalt „Ein Kampf“ von Patrick Süskind

Die Geschichte „Ein Kampf“ erschien erstmals im Tintenfass, das Magazin für den überforderten Intellektuellen Nr. 12, Diogenes Verlag, Zürich 1985. Erstmals in Buchform erschien diese skurrile Novelle? von Patrick Süskind 1995 in „Drei Geschichten und eine Betrachtung“. Nun hat der Diogenes „Ein Kampf“ mit Illustrationen von Jean-Jacques Sempé neu herausgegeben.

Es geht um ein Spiel. Es geht um das Spiel der Könige:

Schach

In einigen Grünanlagen gibt es öffentliche Flächen, die von Schachspielern genutzt werden. Wer selbst Schach spielt und schon einmal bei einem Vereinsturnier dabei war, weiß wie spannend und emotional ein Endspiel werden kann.

Hier haben wir zwei Akteure. Wer ist der Protagonist? Wer ist der Antagonist? Patrick Süskind lässt hier das Publikum entscheiden. Jean, ist der alte Champion. Das Publikum kennt ihn und kennt auch seine Vorgehensweise. Er spielt auf Sicherheit bedacht, ohne großes Risiko, aber auch ohne kleine Raffinessen. Er wartet auf den Fehler des Gegners. Er eröffnet die Partie.

Der Gegenspieler spielt infolgedessen, mit Schwarz und ist, wie im Klappentext so nett formuliert, ein „genialischer Emporkömmling“, der den Gegner mit Bauernopfern lockt.

Wem schenkt das Publikum seine Gunst? Kann der alte Jean das Publikum auf seine Seite ziehen oder warten die Zuschauer auf eine Sensation? Eine Tragödie? Eine Revolution? Eine Erneuerung?

Wer besitzt die mentale Stärke zu siegen? Wird der König entmachtet werden? Hat der Herausforderer die Nerven dafür?

5/5 Punkten

Sprachliche Gestaltung

Patrick Süskind lässt den Leser emotional am Wett-Kampf teilnehmen. Der Autor wechselt in der Novelle mehrfach die Erzählperspektive. Das fand ich sehr raffiniert. Es liest sich, wie ein Drehbuch mit Regieanweisungen für die Schauspieler. Ich habe beim Lesen tatsächlich die gelungene Aufführung des Drehbuchs mit guten Schauspielern gesehen.

5/5 Punkten

Cover und Zeichnungen von Jean-Jacques Sempé

Die Zeichnungen von Jean-Jacques Sempé sind detailverliebt und gefallen mir sehr. Besonders die Abwechslung von bunt und kräftig zu minimalistisch und Schwarz-weiß gefällt mir sehr. Die Zeichnungen passen aber selten zum Text, weil sie nicht für dieses Buch erstellt wurden, sondern mit freundlicher Genehmigung von Jean-Jacques aus anderen Werke entnommen wurden. Auch das Cover des Schurzumschlages wurde aus „Halb gewonnen“ entnommen.

Am Ende des Buches ist der Bildnachweis verschriftet.

Das fand ich schade, obwohl ich die Zeichnungen schön finde, gebe ich deswegen hier nur

3/5 Punkten

Fazit „Ein Kampf“ von Patrick Süskind

Das ist eine äußerst spannend inszenierte Schachpartie, bei der es um viel geht. Zutreffend beschreibt Patrick Süskind das Endspiel und das Geschehen, indem er die Reaktionen der Zuschauer anschaulich schildert.

Allerdings weiß ich nicht, wie die Atmosphäre bei Lesern rüberkommt, die keine Beziehung zu Schach haben. Aber ich glaube, als Leser kann man sich gut in das Geschehen einfühlen.

Der Text gefällt mir sehr gut. Ich hätte es aber wertvoller empfunden, wenn das Buch eigene Zeichnungen erhalten hätte und sie nicht nur aus anderen Büchern entliehen wären.

Ich vergebe insgesamt 4/5 Punkten.

@Diogenes Vielen Dank für das schöne Rezensionsexemplar!


Weiterführend Links

Patrick Süskind beim Diogenes Verlag

Jean-Jacques Sempé beim Diogenes Verlag

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„Die Maske“ von Fuminori Nakamura

Rezension „Olga“ von Bernhard Schlink

Rezension Fahrenheit 451 Ray Bradbury


Spannung, Abenteuer & Liebe

Anthologie

Zum Inhalt Anthologie „Spannung, Abenteuer & Liebe

Uwe Tiedje, ist der Herausgeber der Anthologie „Spannung, Abenteuer & Liebe“. Er kümmert sich als Kontaktstelle Literatur der Servicestelle Kultur des Landkreises Peine um Autoren und die Literatur im Landkreis. Am ersten Autorenstammtisch 2018 wurde die Kurzgeschichten Anthologie geplant.

Es handelt sich dabei um zwanzig Kurzgeschichten unterschiedlicher Autoren. Die kleinen Geschichten haben einen Umfang von ca. 10/11 Seiten. Zwanzig Stories, die man mehreren Genres zuordnen kann. 

Einige Geschichten möchte ich erwähnen, weil sie mir besonders auffielen.

„Aufmerksam unterwegs – heute im Landkreis Peine“ ist die Beschreibung einer modernen Radfahrt. Rolf Ahlers hat es amüsant umgesetzt.

Wer Le Alex Sax schon gelesen hat, weiß, dass die Autoren gerne mal ihren schwarzen Humor aus der Tasche lässt. Auch in „Die Steine des Todes“ wird der Leser nicht verschont. Der Tod ist nah – das Leben auch.

Ina Kloppmann zeigt dem Leser in „Wehrlos“, was Spannung ist. Die Autorin mehrerer Kriminalromane spielt gekonnt mit der Vorstellung des Lesers. Zu den Rezensionen der Kriminalromane.

„Shadow Hunter“ von Neal Delsy berichtet vom Krieg, von Gefahr spüren und erkennen. Gefahren, die dein Leben kosten können.

Am meisten hat mich die Kurzgeschichte „Engel neben dir“ von Michael Benz beeindruckt und berührt. Der Inhalt wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben.

Aber nicht nur die genannten fünf Geschichten sind lesenswert. Ich habe sie nur exemplarisch herausgegriffen.

5/5 Punkten

Die Autoren Spende: Anthologie „Spannung, Abenteuer & Liebe

Jennifer Heine, Antje Koller, Bernd Hauck, Frank Wulfes, Gabi Büttner, Gerhard A. Spiller, Ina Kloppmann, Le Alex Sax, Michael Benz, Nadine Brunkau, Neal Delsy, Neal Skye, Petra Armgart, Rolf Ahlers, Silvia Nagels, Thomas Märtens, Tina Wolff, Ute Kassenbaum, Uwe Tiedje und Adolf Wissel verzichten auf die Verkaufserlöse dieses Buches und spenden diese der Hospizbewegung Peine.

Das wäre doch ein prima Geschenk: Kurzweilige Geschichten und der Erlös kommt einem guten Zweck zu. 

5/5 Punkten

Cover und äußere Erscheinung

Das Cover finde ich ein wenig langweilig. Es sieht für mich wie ein Sammelsurium aus. Eine Anthologie als Sammelsurium? Weil für jeden etwas drin ist?

5/5 Punkten

Fazit: Anthologie „Spannung, Abenteuer & Liebe

Die Anthologie zeigt bildhaft, dass Kurzgeschichten durchaus Wendepunkte und unerwartete Verwicklungen zeigen können und alles andere als langweilig sind.

Und denkt an die Pfadfinder : Jeden Tag eine gute Tat

@Ina Kloppmann: Vielen Dank für das schöne Rezensionsexemplar!

Ich vergebe insgesamt 4,5/5 Punkten.


Wohin?

„Hassliebe“ von Ina Kloppmann 

„Die Magie der Bücher“ von Nadja Losbohm

„Eine Frau schaut auf Männer, …“

„Eine Frau schaut auf Männer, die auf Frauen schauen“ von Siri Hustvedt

Rezension „Eine Frau schaut auf Männer, die auf Frauen schauen“

Ich habe Siri Hustvedts Essayband „Eine Frau schaut auf Männer, die auf Frauen schauen“, zeitgleich mit ihrem aktuellen Roman „Damals“ gelesen. Beide Bücher gehören zusammen, weil beide Bücher dieselben Themen behandeln:

Das Ich in der Zeit, das sich mithilfe von Erinnerungen, kontinuierlich neu zusammensetzt und verändert. Was hat Kunst mit Erinnerung zu tun? Wie entsteht beim Betrachter Kunst? Woher kommen die Ideen? Wie kommt es von der Idee zur Kunst.

Im Roman „Damals“ wird der Weg zum „Ich“ beschrieben. Der Vorgang des „Erinnerns“ wird beispielhaft belegt.

Die Essays zeigen anhand von Künstlern, ihren Werken und deren Wirkung auf den Betrachter, dass kreative Vorgänge sehr komplex sind und Kunstgegenstände nicht einfach als Objekt gesehen werden können, sondern selbst etwas „Subjektives“ haben.

Der Essayband ist für mich ein Füllhorn an Kunst, Philosophie, Geschlecht und Geist, und schon sind wir beim Untertitel:

Essays über Kunst, Geschlecht und Geist

Die amerikanische Originalausgabe „A Woman Looking at Man Looking at Woman“ beeinhaltet als ersten Teil die deutsche Ausgabe „Eine Frau schaut auf Männer, die auf Frauen schauen“, sowie als zweiten Teil „Die Illusion der Gewissheit“, der in Deutschland 2018 als selbständiges Buch von Rowohlt verlegt wurde.

„Die Illusion der Gewissheit“, beschäftigt sich mit dem Leib-Seele- bzw. Körper-Geist-Problem. Wo finden wir Erinnerung? An welcher Stelle finden wir die Seele? Wo ist die Heimat des Ichs?

Der vorliegende Essayband ist in Deutschland in zwei Teile geteilt. Der erste Teil hat den Titel des Buches,

„Eine Frau schaut auf Männer, die auf Frauen schauen“,

der zweite Teil

„Was sind wir? Vorträge über das Mensch sein“.

Zu den einzelnen Essays

Es sprengt den Rahmen einer Buchbesprechung hier auf alle Essays einzugehen, deswegen habe ich mir drei Essays rausgepickt, „Meine Louise Bourgeois“, „Mapplethorpe/Almodovar“, „Warum diese Geschichte und nicht eine andere“, die mich am meisten gefordert haben.


Meine Louise Bourgeois

Zu dem beschriebenen Essay „Meine Louise Bourgeois“ habe ich auf YouTube den Film gefunden: Exhibition film on „Louise Bourgeois. Structures of Existence: The Cells“. Haus der Kunst, 27.02 — 02.08.15

Siri Hustvedt zeigt uns neben der Künstlerin Louise Bourgeois auch das Bild, das sie über die Künstlerin selbst in Gedanken, oder als aktiven Akt der Kunstbetrachtung erstellt hat. Die Theorie über die Wirkung von Kunst auf den Betrachter setzt die Autorin um.

Ich versuche es, mit meinen Worten zu skizzieren:

Die Wahrnehmung der Kunst manifestiert sich im Betrachter. Dieser ist keineswegs nur passiver Empfänger, sondern macht Kunst, mittels eigener Vergangenheit, und den erlittenen positiven, aber auch negativen Schicksalsschlägen und der eigenen Befindlichkeit zum Zeitpunkt der Betrachtung, das Werk zur Kunst, ja zum Erlebnis. Die eigene Befindlichkeit ist der strukturierte Raum, wo dieses Erlebnis entsteht oder sich manifestiert. Gute Kunst ermuntert uns dazu, die Struktur aufzubrechen und neu zusammenzusetzen.

Aus der Theorie ist die Praxis der Kunstbetrachtung von Siri Hustvedt, am Beispiel Louise Bourgeois, geworden. Das ist sehr beeindruckend und es hat die Theorie verifiziert.

Über das Werk der Künstlerin sagt Siri Hustvedt:

Wenn ihre zwingend zitierbaren Analysen ihres Werkes zusammengefasst werden, ergeben sie keine Synthese, sondern eine Antithese. Es sind die Ejakulationen eines schnellen Geistes, der sich vor allem für seine eigenen Inhalte interessierte.


Mapplethorpe / Almodovar

Die Ausführungen von Siri Hustvedt zu Robert Mapplethorpe und Pedro Almodovar sind sehr interessant und haben mich zum Recherchieren veranlasst. Bislang waren mir beide Künstler zwar oberflächlich bekannt, aber jetzt habe ich Lust auf mehr. Apollo meets Dionysos – oder die cleane Form des Apollinischen gegen die Leidenschaft des Dionysischen. Es lassen sich einige gemeinsame Begegnungspunkte herausarbeiten: 

Mapplethorpe liebte das „Perfekte“. In der von Almodovar organisierten Ausstellung hängt auch das Bild von Patti Smith. Das Bild wird als Solo Ereignis präsentiert. Dieses Bild hat nichts von Perfektion, sondern es zeigt in seiner Zärtlichkeit vielmehr die Verletzbarkeit – das Menschliche. Siri Hustvedt kam es so vor, als sei das Bild zur Kommunikation bereit. Patti Smith wird nicht objektiviert.

„Ihre Subjektivität, ihre Persönlichkeit sind Teil des Bildes.“

Siri Hustvedt

Patti Smith und Robert Mapplethorpe hatten eine einzigartige Beziehung: Sie waren Freunde, Liebhaber, künstlerische Mitarbeiter und Seelenverwandte.

Siri Hustvedt sieht in Mapplethorpe einen Künstler, der mit klassischer formaler Ästhetik, die Bedrohung und Gewalt der sexuellen Bilder abschwächt. Vor allem sexuelle Phantasien über Kontrolle und Unterwerfung, machen den Fotografen und den Betrachter zu Beteiligten. Maplethorpe arrangierte Menschen, als leblose Objekte – sozusagen als Stillleben.

Im Gegensatz dazu Pedro Almodovar: Er ist ein Geschichtenerzähler. Während Maplethorpe die Formen wahrt, und begrenzt, reißt Almodovar die Grenzen ein.

Almodovar zeigt in seiner Kunst Maßlosigkeit, während Mapplethorpe minimalistisch arbeitet.

„Wie Maplethorpe schafft Alomodvar starke visuelle Grenzen in seinen Filmen, Licht- und Fabkontraste, die ein leuchtendes, schönes Kinobild ergeben. Das verbindet ihn mit dem Fotografen und dem Apollillnischen.“


Warum diese Geschichte und nicht eine andere? Oder

Woher nehmen Sie Ihre Ideen?

Spielt die Biografie des Autors eine Rolle? Sind es Variationen eigener Erinnerungsstücke? Die Verknüpfung von Erinnerung und Kreativität geht auf die griechische Philosophie zurück. Ich komme hier auf den Punkt Erinnerung zurück, den ich schon bei der Rezension „Damals“ von Siri Hustvedt ausführte.

Im Gegensatz zu der mittelalterlichen Vorstellung, unsere Erinnerungen werden in einem Apothekerschrank verwahrt und wir müssen sie nur einfach aus der Schublade holen, ist das Erinnern ein komplexer Vorgang, dessen Ergebnis variabel ist.

Unsere Erinnerung wird mittels unserer Erfahrungen neu zusammengesetzt und damit auch bewertet. Dadurch ist Erinnerung nicht statisch, sondern dynamisch.

Wenn unsere Erinnerungen dynamisch sind, was ist dann wahr? Wie wahr sind unsere Erinnerungen. Die Erinnerung von gestern ist nicht identisch mit der Erinnerung von heute. 


Rezension von „Damals“

Es ist eine spannende Sicht auf das, was beim Schreiben im Akt des Schöpfens geschieht. Jeder der schreibt, kennt das Gefühl, dass ihm die Geschichten aus den Fingern gleiten, dass die Protagonisten ein Eigenleben annehmen.

Siri Hustvedt unterscheidet zwischen dem, was sich in einer Geschichte ereignet (Fabula), und dem, wie es erzählt wird (Sujet). Fabula steckt im Autor, er weiß vielleicht noch nichts Genaues, aber er ahnt ihr Vorhandensein und muss sie nur greifen. Beim Sujet handelt es sich um bewusste Entscheidungen. Beispiele hiefür sind: In welches Genre die Geschichte eingeordnet wird, die Erzählperspektive, sprachliche Gestaltung und das spätere Layout.

Das erinnert mich sehr an Platons Ideenlehre. Wir haben die Ideen in uns (a Apriori vor jeder Erfahrung), müssen sie erkennen und darauf zugreifen.

Deswegen wissen wir intuitiv, dass die Geschichte so nicht stimmt und ändern sie, im Glauben, dass sich die Handlung verselbständigt hat, oder die Protagonisten machen, was sie wollen. Und das wissen wir, obwohl wir im Schreibprozess zeitweilig die Welt einer anderen Person betreten. Nur dann wirkt es authentisch.

5/5 Punkten

Sprachliche Gestaltung

Die einzelnen Essays sind in sich geschlossen und können für sich gelesen werden. Die Auswahl und die Themen sind so vielfältig und bereichernd, dass dieses Buch noch die nächsten Wochen auf meinem Tisch liegen bleibt, um auch noch die restlichen Beiträge durchzuarbeiten und die dazugehörigen Kunstwerke kennenzulernen und zu entdecken. Das macht richtig Spaß!

5/5 Punkten

Cover und äußere Erscheinung

Das Cover ist minimalistisch gehalten und vermittelt durch die Linien, die Betrachtung der unterschiedlichen Perspektiven. Weniger ist manchmal mehr! Gefällt mir gut!

Zu meiner großen Freude hat das Buch nicht nur ein Lesebändchen, sondern auch ein Literaturverzeichnis. Der Leser hat die Möglichkeit auf den Spuren Siri Hustvedts zu wandeln.

5/5 Punkten

Meine Playlist zum Buch

Gibt es ein Hörbuch?

Leider gibt es bislang kein Hörbuch.

Fazit oder „meine Siri Hustvedt“

Worum geht es?

Um Erkenntnistheorie, Kunst, den „Menschen an sich“ oder, wie wird aus einer Idee ein Kunstwerk? Siri Hustvedt möchte dem „Ich“ nachspüren und es erahnen. Kunst kann nur in der Begegnung eines Kunstwerkes und des Betrachters entstehen. Und das „Ich“ des Betrachters ist mit seinen Erinnerungen und Erlebnissen verwoben.

Ich möchte die Rezension mit Siri Hustvedts Gedanken beenden:

Ich habe diese Rezension zu „Eine Frau schaut auf Männer, die auf Frauen schauen“ im Hinblick auf Meine Siri Hustvedt geschrieben. Deswegen erlaube ich mir Siri Hustvedt

….als meine in Anspruch zu nehmen. Sie ist natürlich auch deine Siri Hustvedt. Aber darum geht es mir nicht. Meine S. H. und deine mögen Verwandte sein, aber es ist unwahrscheinlich, dass sie eineiige Zwillinge sind“

Connie Ruoff frei nach Siri Hustvedt

Leseempfehlung an alle, die Philosophie, Kunst und die großen Fragen des Ichs und der Welt lieben!

@Rowohlt: Vielen Dank für das schöne Rezensionsexemplar!

Ich vergebe insgesamt 5/5 Punkten.


Weiterführende Links

Siri Hustvedt die Website der Autorin

Rowohlt „Manchmal ist Erinnerung ein Messer“

Siri Hustvedts Bücher bei Rowohlt

Schauspiel Frankfurt

LESUNG VON SIRI HUSTVEDT: Damals in New York
VON MICHAEL HIERHOLZER in der FAZ

Rezension „Die Illusion der Gewissheit“ von Siri Hustvedt

Rezension „Damals“ von Siri Hustvedt

Standing Ovations für Siri Hustvedt

Hinter eines Baumes Rinde …

Heinz Ehrhardt verschmitzt

Heute möchte ich euch keine Rezension zu einem neuen oder alten Buch vorstellen, sondern über einen launigen Abend berichten.

Im Rahmen der Burgfestspiele Wiesbaden und in Kooperation mit dem HEIMATVEREIN SONNENBERG e.V., hatten wir die Freude Patrick L. Schmitz als „Heinz Erhardt verschmitzt“ zu erleben.

Unsere Freundin Sonja hatte beschlossen, ihren Geburtstag mit „Heinz Erhardt verschmitzt“ zu verbringen und brachte die Gäste, nämlich uns alle, gleich mit. Kurz vor der Veranstaltung noch in einen Regenguss gekommen, war ich ziemlich ramponiert, aber auch außerordentlich gespannt.

Wer kennt Heinz Ehrhardt nicht? Alle, die älter als 30 sind, kennen ihn bestimmt! Sei es aus alten Filmen, wie „Immer diese Radfahrer!“ Oder „Drei Mann in einem Boot“, Liedern, wie „Fährt der alte Lord fort“ oder Gedichten, wie „Die Made“ oder „Wie die Zitronen sauer wurden“.

Heinz Ehrhardt! ein Genie der Sprache. Wer traut sich, den zu kopieren oder darzustellen? Ich hatte so meine Zweifel! Und dann kam Patrick L. Schmitz, der gemütlich begann, die Zuschauer auf seine Seite zu ziehen und von Minute zu Minute vollendete sich die Metamorphose: aus Patrick L. Schmitz war Heinz Erhardt geworden, inklusive Gestik, Mimik und Intonation.

Das Publikum war toll

Und an dieser Stelle: Ein großes Lob für das Sonnenberger Publikum, das bewies, dass nicht nur Patrick L. Schmitz auf der Bühne das Repertoire Heinz Erhardts drauf hatte, sondern auch die Zuschauer vor der Bühne.

Patrick L. Schmitz überzeugte nicht nur durch seine Rezitation, sondern er ließ auch seine Musicalausbildung raus auf die Bühne. Man hätte es ihm auf den ersten Blick nicht zugetraut, aber er tänzelte und sprang akrobatisch durchs Programm. Der Künstler reagiert sensibel auf jede Aktion des Publikums und bezog es, wann immer möglich ein. Das war der Beginn eines schönes Geburtstagsabends.

Nach reißendem Beifall verschenkte Patrick L. Schmitz noch einem kleinen Mädchen eine seiner Moderationskarten, die während der Veranstaltung ein Bild für ihn malte. Sehr sympathisch!

Und danach ging es zum Italiener, weiterfeiern. Aber darüber wird geschwiegen!

Liebe Sonja, lieber Patrick Schmitz, Vielen Dank für den schönen Abend!


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Mädelsabend auf Burg Schwarzenstein

Ingrid Noll liest aus „Goldschatz“

Ach du Shrek!

„Zeit der Zauberer“ von Wolfram Eilenberger

Rezension „Zeit der Zauberer“ von Wolfram Eilenberger

Zum Inhalt „Zeit der Zauberer“

Auf der einen Seite handelt es sich bei „Zeit der Zauberer“ von Wolfram Eilenberger um eine Zusammenfassung der Biografien vier großer Philosophen, ihrer zwischenmenschlichen Beziehungen und ihres Umfelds und auch ihrer in dieser Zeit veröffentlichten Werke. Der Autor zeigt uns nicht nur die Philosophen, sondern er erweckt sie zum Leben, indem er ihre menschliche Seite zeigt. Auf der anderen Seite ist es auch ein geisteswissenschaftliches Porträt der Zwanziger Jahre.

Exemplarisch herausgegriffen hat Wolfram Eilenberger


Ludwig Wittgenstein (1889–1951)

Werk „Tractatus Philosophicus“

„Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt“ 

„Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“

„Die Welt ist alles, was der Fall ist.“

Daraus entwickelte sich später der Logische Positivismus. Er Ist der Vater der Analytischen Sprachphilosophie.


Martin Heidegger (1889 – 1951)

Werk „Sein und Zeit“

In Davos 1929 treffen sich Ernst Cassirer und Martin Heidegger.

Heidegger ist aus heutiger Sicht der Vater der Hermeneutik und des Existentialismus.


Ernst Cassirer (1874-1945)

Ohne erst Cassirer gäbe es keine Kulturwissenschaft. Er hält die Ideale der Aufklärung hoch. Er war einer der letzten Universalgelehrten, hatte aber keinen Willen zu einer eigenen Sprache.


Walter Benjamin (1892-1940)

Walter Benjamin ist Mitbegründer der Frankfurter Schule und der kritischen Theorie.  Walter Benjamins Leben wird als hoch emotional geschildert. Depressionen, Geldnot und familiäre Probleme machten ihn zu einer glücklosen Existenz. Er nahm sich 1940 in Paris das Leben.


Wolfram Eilenberger lässt die vier Philosophen lebendig werden und erzählt dabei nicht nur über die Entstehung ihrer großer Werke, sondern auch wie sich ihr Denken mit dem Privatleben vereinbart hat. Hierzu lässt der Autor weitere Personen aus dem Umfeld auftreten: Hannah Arendt, Karl Jaspers und Theodor Wiesengrund Adorno und noch viele Weitere. Was haben die vier gemeinsam? Was unterscheidet sie? Nur einer der vier Philosophen war ein Demokrat, Ernst Cassirer. Bis auf Heidegger gehörten die genannten Philosophen dem jüdischen Glauben an.

In der beobachteten Dekade wächst das Wissen exponentiell. Konnte nach so einer großen Katastrophe, wie dem Ersten Weltkrieg, Metaphysik überhaupt noch eine Bedeutung haben? Wie sieht es mit der Sprache und deren Unvermögen über „Höheres“ zu kommunizieren, aus?  Welche Schlussfolgerungen werden gezogen?

Die Zeit offenbart eine Revolution des Denkens. Es geht um Erkenntnistheorie: Wie viel von seiner Umwelt bzw. überhaupt von der Welt kann der Mensch erfassen? Was sagen die empirischen Sprachwissenschaften? Wie lässt sich der Mythos damit verbinden? Was Können Anthropologen und Ethnologen dazu beitragen? Letztendlich: Was sagen die theoretischen Physiker?

Das Ziel eines interdisziplinären Forums wird formuliert. „Das Ding an sich“, dessen Erkenntnis Immanuel Kant dem Menschen abgesprochen hat, spielt nach dem 1. Weltkrieg keine große Rolle mehr. Jaspers, Heidegger und die französischen Existentialisten führen eine neue Terminologie ein: 

Daseinssorge – Dasein – das jemeinige Leben – Grenzerfahrungen – Das Umgreifende – Gott ist tot!

Wolfram Eilenberger (Vielen sicherlich bekannt aus Sternstunde Philosophie) zeigt, wodurch seiner Meinung nach die vier Philosophen diese Epoche geprägt haben. Dabei entwickelten sich folgende Fragen:

Wie weit dringt das philosophische Denken in den Alltag ein?

 Gehört es immer zum Alltag?

4/5 Punkten

Sprachliche Gestaltung

Wolfram Eilenbergers Erzählstil ist leicht, gut verständlich und unterhaltsam. Die Kapitellänge ist angenehm.

5/5 Punkten

Cover und äußere Erscheinung

Das Cover ist ansprechend, sagt aber wenig aus.

3/5 Punkten

Playlist zum Buch

Fazit / Rezension „Zeit der Zauberer“ von Wolfram Eilenberger

Der Leser erkennt schnell, dass sich mit Sicherheit gewaltige Synergieeffekte ergaben, sobald diese Philosophen miteinander agierten.

Wolfram Eilenberger zeigt dabei, wie eng die Beziehung zwischen Existenz und Theorie war. Das Denken und das Leben sind miteinander verknüpft. Ludwig Wittgenstein verschenkt seine Milliarden. Walter Benjamin fand nie wirklich sein Glück.

Zu Martin Heidegger: Heidegger sagte über Aristoteles:

„Aristoteles wurde geboren, arbeitete und starb“. 

Er sah das Werk getrennt von der Biografie des Autors, der er keine Bedeutung beimaß. Ich sehe das anders. Mir fehlt jegliches Verständnis für Martin Heidegger. Wolfram Eilenberger betrachtet Martin Heidegger aus einer bewusst objektiven Distanz. Ich kann das nicht. In meinen Augen gehören Werk und Autor als Einheit zusammen.

Während Hannah Arendt Heidegger als Philosophen sehr schätze, war sie menschlich von ihm zutiefst enttäuscht. Er war 1933 der NSDAP beigetreten. Sie bezeichnete es als eine „Entfremdung von Feinden“.

Rezension „Menschen in finsteren Zeiten“ Hannah Arendt

Ernst Cassirer scheint der Einzige zu sein, der die Philosophie nicht in sein Familienleben ließ und zufrieden lebte.

Für Liebhaber von Philosophie, Geschichte auch Zeitgeschichte, lohnt es sich in jedem Fall, das Buch zu lesen. Es ermuntert zum Recherchieren und nachlesen. Vielleichte ist es aktueller, als es auf den ersten Blick scheint

@NetgalleyDe und Klett-Cotta
Vielen Dank für das Rezensionsexemplar!

Ich vergebe insgesamt 4/5 Punkten.


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„1913“ von Florian Illies

„Menschen in finsteren Zeiten“ von Hannah Arendt

„Kompendium des Übermenschen“ von Beile Ratut

„Die Illusion der Gewissheit“ von Siri Hustvedt


Ingrid Noll liest aus „Goldschatz“

Wir waren am 13. April 2019, eine Stunde vor der Lesung, im Kleinen Haus des Staatstheaters Mainz, das zusammen mit SWR2, die Veranstaltung

Ingrid Noll liest aus „Goldschatz“

Literaturblog-Veranstaltungen-Selfie ohne Ingrid Noll
Das Buch nicht vergessen!

ausrichtete, und wurden gleich belohnt. Kurz nach uns kam die Autorin ins Foyer, zum Tisch der Büchergilde Mainz, und setzte sich entspannt dazu. Ich habe Frau Noll sofort erkannt. Erst vor kurzem hatte ich eine Reportage über die Autorin gesehen. (Siehe Playlist)

Literaturblog-Veranstaltungen-Ingrid Noll signiert 2
und sie signiert noch immer …

Gut gelaunt signierte sie die Bücher ihrer Fans. Ja! So habe ich mir die großartige Autorin vorgestellt. Genau so kommt sie auch in mehreren Filmen meiner Playlist rüber. Absolut authentisch! Genauso mag sie der/die Leser*in. Ingrid Noll ist 100 % Ingrid Noll. Eine Autorin, die nie gute Menschen sterben lässt. Eine Autorin, die Frauen nie zu Opfern, sondern zu Akteuren macht. Auch Kindern geschieht nie etwas Böses. Ihr Humor ist fein, aber, wenn nötig B I S S I G , ein wenig schnippisch und nicht frei von Ironie, ja manchmal hört man sogar, Sarkasmus flüstern.

Gerade noch am Signiertisch, war sie Minuten später auf der Bühne und begeisterte das Publikum. Ab der ersten Minute zog sie die Zuschauer, durch ihre schlagfertigen Antworten, in Bann. Der Moderator Alexander Wasner tat mir ein wenig leid, er war der Autorin einfach nicht gewachsen. Als er ihr dann auch noch erzählte, dass die Protagonistin Trixi ihm richtig unsympathisch wahr, wurde ihre Zunge noch scharfzüngiger. Alexander Wasner nahm es mit Humor. Sehr sympathisch! Wer wäre Ingrid Noll schon gewachsen? Ich wünsche mir, ich möge im Alter von über achtzig Jahren, diese Ausstrahlung, Präsenz und Eloquenz von Ingrid Noll haben!

Frau Noll, Sie machen Mut auf’s Alter!

„Mich interessieren schon Leute mit einer kleinen Macke, das muss ich zugeben.“

Ingrid Noll erzählte mit feiner Selbstironie, wie und warum sie erst so spät zum Schreiben kam. Als Mutter von drei Kindern, die gleichzeitig in der Arztpraxis des Mannes mitarbeitete, fehlte ihr dafür die Zeit. Aber vor allem fehlte ihr ein eigenes Zimmer.

Als dann Zimmer und Zeit vorhanden waren, versuchte sie sich:

„Wie viele Frauen in den Wechseljahren versuchte ich dann Aquarellmalerei und diverse Volkshochschulkurse …“

Leider kann man die Akteure durch die Beleuchtung nicht wirklich erkennen …

Als der Moderator sagte, dass er völlig überrascht vom Ausdruck „Skinny Bitch“ gewesen sei, erklärte ihm die Moderatorin trocken, dass sie, auch wenn man es sich vielleicht nicht vorstellen könne, selbst einmal jung gewesen sein und schließlich auch Enkel habe, die sie beraten.

„Der Hahn ist tot“ war der Meilenstein in ihrer Karriere. Ab da an ging es steil bergauf. Ihre Morde sind nie brutal.

„Sie sind schnell tot und müssen nicht leiden.“

Ingrid Noll erzählte, wie sie einmal jemanden aus Versehen „ermorden ließ“, der es nicht verdiente. Darauf hatte sie drei Tage lang ein schlechtes Gewissen.

Als Schriftstellerin hatte Ingrid Noll die Textstellen aus ihrem aktuellen Roman „Goldschatz“ klug gewählt, somit konnte jeder im Publikum, der das Buch noch nicht gelesen hatte, dem Gespräch problemlos folgen.

Und auch noch jetzt nach Ende der Lesung, signierte die sympathische Autorin, weitere Bücher und hatte ein offenes Ohr. Respekt, Frau Noll!

Ingrid Noll wird uns hoffentlich noch lange erhalten bleiben: Ihre Großmutter wurde 105, ihre Mutter 106 und von ihre erwartet die Familie 107 Jahre. Prima! Dann dürfen wir ja noch einige Morde á la Noll erwarten.

Ein gelungener Abend! Ein herzliches Dankeschön, Ingrid Noll!


Weiterführende Links

PLAYLIST ZUR REZENSION „GOLDSCHATZ“ VON INGRID NOLL?

Ich empfehle besonders den Film „Die mörderische Welt der Ingrid Noll“. Ein schöner Bericht über Ingrid Noll, ihre Bücher und den Diogenes Verlag.

Die nächsten Lesetermine von Frau Noll auf der Verlagsseite

Ingrid Noll bei Diogenes

Rezension zu „Goldschatz“


Rezension „Damals“ von Siri Hustvedt

Zum Inhalt „Damals“ von Siri Hustvedt

„Damals“ von Siri Hustvedt trägt im Original den Titel „Memories of the Future“ („Erinnerungen an die Zukunft“). Der Titel lässt bereits erahnen, dass es sich bei diesem Buch nicht, wie in der Presse (Zeit online, Kulturradio) erwähnt, um einen „weiblichen Narzissmus“ handelt. Nein! Die Autorin hat das Konzept der Zeit und der Erinnerungen, aus wissenschaftlicher Sicht betrachtet. Es geht dabei nicht um die Ebene der Ereignisse, sondern eher, um die Spuren, die Ereignisse hinterlassen, woraus wir später unsere Erinnerungen formen.

Der Vorgang des Erinnerns

An dieser Stelle versuche ich, mit eigenen Worten wiederzugeben, wie Siri Hustvedt am 9. April 2019 im Schauspiel Frankfurt, den Vorgang des Erinnerns kognitionswissenschaftlich beschreibt: 

Im Gegensatz zu der mittelalterlichen Vorstellung, unsere Erinnerungen werden in einem Apothekerschrank verwahrt und wir müssen sie nur einfach aus der Schublade holen, ist das Erinnern ein komplexer Vorgang, dessen Ergebnis variabel ist.

Unsere Erinnerung wird mittels unserer Erfahrungen neu zusammengesetzt und damit auch bewertet. Dadurch ist Erinnerung nicht statisch, sondern dynamisch.

Wenn unsere Erinnerungen dynamisch sind, was ist dann wahr? Wie wahr sind unsere Erinnerungen. Die Erinnerung von gestern ist unter Umständen nicht mehr die gleiche, wie die Erinnerung von heute.

Siri Hustvedt versucht in „Damals“ das Geheimnis zu ergründen: 

Wie ist aus Minnesota Siri Hustvedt geworden?

Oder stellt sich Minnesota die Frage? 

Wie sehr prägten die Jahre in New York das Leben Siri Hustvedts?

Das Doppelgängermotiv

Die Autorin fächert diese unterschiedlichen Ebenen des Ichs, in der Zeitlinie, elegant durch das Doppelgänger-Motiv auf. Die Protagonisten Minnesota, die junge Autorin, die auf der Suche nach ihrem ersten Romanhelden nach New York zieht, S. H. die vierzig Jahre ältere Autorin, die als Erzählerin auftritt. Über den beiden steht ein virtueller Detektiv, der die Sachlage „objektiv“ und ganzheitlich betrachtet und bewertet.

Wofür steht S. H.?

Für Siri Hustvedt?
Für Sherlock Holmes?
Oder
Für Standard Hero?

Zu Beginn unseres Lebens stehen uns noch viele Möglichkeiten offen, wir haben noch keine Entscheidung gefällt und somit keine Richtung eingeschlagen, mit jeder Entscheidung, die wir treffen, wird der Weg präziser und die weiteren Möglichkeiten beschränkter.

Minnesota hat noch alle Möglichkeiten offen, während S. H. schon durch ihr bisheriges Leben, die bislang getroffenen Entscheidungen, die noch offenen Möglichkeiten schmälern. Es geht auch um den Gedanken: Was hätte sonst noch aus mir werden können. Dazu gehört auch, dass „Wahrheit“ in einem anderen Kontext gesehen werden muss. Paul Auster, (verheiratet mit Siri Hustvedt), hat genau diese Thematik in seinem letzten Roman „1, 2, 3, 4“, auch durchgespielt. Ich werde das Buch lesen.

Siri Hustvedts Buch kann man fast schon interaktiv nennen. Die Autorin ist der Gamemaster im Rollenspiel und entwirft ein Konzept, an dem sich der Leser orientieren kann.

Der Leser nimmt abwechselnd unterschiedliche Perspektiven ein. Minnesota, S. H. oder der Detektiv und hierbei gilt es noch zu unterscheiden, an welche Geschehnisse, die die Autorin dem Tagesjournal anvertraute, erinnert sie sich tatsächlich, und wie identisch ist das mit dem Niedergeschriebenen.

5/5 Punkten

Sprachliche Gestaltung

Siri Hustvedt malt mit Buchstaben und Wörtern ein Bild aus unterschiedlichen Farbtönen im Gerüst der Zeit. Es ist mitnichten ein Narzissmus, der unkritisch sich selbst als wichtiger betrachtet als der Rest der Welt. Nein es ähnelt geradezu einer schriftlichen Psychoanalyse, die versucht das Erlebte, und die Erwartungen an die Zukunft, zusammen mit der Gegenwart, ins Verhältnis zu setzen.

Ist es exhibitionistisch! Sicherlich kann man das so sehen. Siri Hustvedt zieht sich bis auf Innerste aus und lädt den Leser oder Zuhörer dazu ein, mit ihr die Analyse vorzunehmen. Der Leser, zumindest ging es mir so, wird angeregt, seine eigene Vergangenheit, die Erinnerungen und die damaligen Erwartungen an die Zukunft (also an die eigene Gegenwart) gegenüberzustellen. Der Text der Autorin lädt zum Mitmachen ein.

Aber die Autorin macht nicht zur Befriedigung des Egos, sondern ich glaube, Siri Hustvedt geht Erkenntnis im ureigensten Sinn über alles. Sie will verstehen, „Was die Erde im Innersten zu sammenhält“ und wie Bewusstsein bzw. das „Ich“ sich zusammensetzt.

Ist es voyeuristisch? Ja, ich habe schon in einigen Rezensionen bemerkt, dass in jedem von uns ein kleiner Voyeur steckt. Vor allem jeder, der schreibt, beobachtet seine Umwelt sehr genau. Wir suchen immer die Story dahinter.

5/5 Punkten

Cover und äußere Erscheinung

Mir gefällt das Cover sehr gut! Minnesota fliegt mit dem Messer „Baroness“ in der Hand der Zukunft entgegen. Keine Kleidung behindert sie oder versteckt sie. Sie ist einfach nur sie selbst.

Das Cover ist ästhetisch und geschmackvoll. Auf den letzten Seiten findet man die Quellenangaben für die Zitate.

5/5 Punkten

Playlist zu Rezension „Damals“ von Siri Hustvedt?

Das Hörbuch „Damals“ von Siri Hustvedt

wird von Iris Berben gesprochen.

Fazit

Ich habe im letzten Jahr „Die Illusion der Gewissheit“ gelesen. Am 9. April war ich bei der Lesung von „Damals“ im Schauspiel Frankfurt. Zeitgleich lese ich gerade den Essay Band „Eine Frau schaut auf Männer, die auf Frauen schauen“. Die charismatische Autorin hat mich sehr beeindruckt.

Ihre Art der Suche nach Erkenntnis ist auch auf eine gewisse Art, die Beantwortung der kantischen Fragen. Das finde ich sehr inspirierend.

1. Was kann ich wissen?
2. Was soll ich tun?
3. Was darf ich hoffen?
4. Was ist der Mensch?

Woraus sich schließlich die eine Frage ergibt: Wer oder was bin ich?

Warum bin ich genauso geworden, wie ich heute bin. Was wäre gewesen, wenn ich am 12. November 2000, diese Straße nicht überquert hätte. Was wäre anders geworden. Hätte es überhaupt einen Unterschied in meinem Leben, oder meinem Ich gegeben?

Ich möchte an dieser Stelle daran erinnern, dass es sich bei „Damals“ um eine Fiktion handelt. Ich gehe davon aus, dass der Roman autobiographisch ist, Siri Hustvedt selbst lässt offen, wie viel Fiktion bzw. wie viel Wahrheit darin enthalten ist.

Sehr gut hat mir „Baroness“ gefallen. Minnesota bekam von einer Freundin, ein Messer geschenkt, dem sie einen Namen gab: Baroness. 

Wie in meinem Artikel zur Lesung von Siri Hustvedt im Schauspiel Frankfurt schon erwähnt:

In Siri Hustvedts Leben hatte Kunst schon immer einen hohen Stellenwert. Die 22-jährige Minnesota folgte in New York den Spuren des Dadaismus. Dabei spielt Baroness Elsa von Freytag-Loringhoven, deren Namen, wie sich bei der Lesung, vielmehr beim Gespräch in Frankfurt herausstellte, nicht nur mir völlig unbekannt war, Eine wichtige Rolle. Sie war eine deutsche Künstlerin des Dadaismus und das als Muse, Aktmodell, Malerin, Bildhauerin, Dichterin und Rezitatorin. Das berühmte Kunstwerk „The Fountain“ wird bis heute Marcel Duchamp zugeordnet, obwohl es Beweise gibt, dass die Baroness die Schöpferin des Werkes war. 

Aber davon unabhängig handelt es sich um Erkenntnistheorie! Siri Hustvedt betrachtet das Individuum auf wissenschaftlicher Basis und ordnet mittels empirischer Werte (Erfahrungswerte) ein.

Wie ich schon erwähnt habe, hat Paul Auster in „4 3 2 1“, die gleiche Problematik literarisch umgesetzt. Ich werde das Buch lesen.

@Rowohlt
Vielen Dank für das schöne Rezensionsexemplar! Und inzwischen hat es sogar eine Widmung!

Ich vergebe insgesamt 5/5 Punkten.


Weiterführend Links

Siri Hustvedt die Website der Autorin

Rowohlt „Manchmal ist Erinnerung ein Messer“

Siri Hustvedts Bücher bei Rowohlt

Schauspiel Frankfurt

LESUNG VON SIRI HUSTVEDT: Damals in New York
VON MICHAEL HIERHOLZER in der FAZ

Rezension „Die Illusion der Gewissheit“ von Siri Hustvedt

Standing Ovations für Siri Hustvedt

Leseliste 2019